Nachdem ich kurz nach meinem letzten Blogbeitrag, wahrscheinlich aufgrund einer leichten Lebensmittelvergiftung, ein paar Aktivitäten aussetzen musste, gab es letzte Woche nicht viel zu Berichten. Mir ging es glücklicherweise relativ schnell wieder gut, sodass ich die Woche über auch in meinen Projekten aktiv sein konnte. Leider durften wir unsere Aufgabe in der Schule als Sportlehrer noch nicht wahrnehmen, da wir noch keinen Stundenplan von unserer Schuldirektorin erhalten haben. Die freie Zeit haben wir dann anderweitig genutzt, um beispielsweise selbst Quark herzustellen (den gibt es hier nämlich nicht) und neue Gerichte auszuprobieren, die nicht Reis oder Nudeln mit Gemüsesoße sind. Das Wochenende war dann ereignisreicher. Nach unserer Kinyarwanda-Stunde am Freitag Vormittag, besuchten wir das Fußballspiel aller Freiwilligen, bei dem auch ein paar von uns mitspielten. Anschließend machten Samira und ich mich auf den Weg zum Kigali Running Track, um auf der 2,4 km langen Strecke mit schönen Aussichten auf die beleuchteten Hügel Kigalis laufen zu gehen. Am nächsten Morgen ging es mit müden Beinen ins Training, dann eine Abkühlung in einem Hotelpool nehmen, bevor Clinton mit uns kochte und wir uns zusammen auf den Weg zum Amahoro Stadium machten, um das Fußballspiel Rayon Sports gegen Panthère Sportive anzuschauen und das Weiterkommen der ruandischen Mannschaft zu feiern. Leider habe ich mir dann noch eine Erkältung eingefangen, sodass es erstmal wieder Ausruhen und Kräfte schonen hieß, bis Emil und ich am Dienstag endlich unseren Stundenplan für die Schule erhalten haben. Anschließend durften wir auch ziemlich spontan gleich den Sportunterricht in zwei Klassen halten, was trotz Sprachbarriere gut funktioniert hat. Unsere Mentoren haben uns aber auch an diesem sowie den nächsten beiden Schultagen begleitet und gerade beim Übersetzen geholfen. Am Nachmittag fand täglich unser gewohntes Projekt mit Skate-Training und Indaro Jugendhaus statt und, wenn ich es zeitlich unter bekommen habe, noch eine kurze Kinyarwanda Lerneinheit. 

Gerade, weil für uns die Schule jetzt erst startet, ist es besonders surreal, dass bereits vier Wochen vergangen sind, seitdem ich in Kigali gelandet bin. Die Zeit bisher ist super schnell vergangen und ich durfte schon jetzt viel lernen. Wir haben uns in der WG gut eingelebt, unsere abendliche Wizard-Spielerunde etabliert, bei der wir uns über den Tag oder alles, was uns gerade beschäftigt, austauschen können. Auch unsere Stamm-Läden haben wir bereits gefunden, wo wir Gemüse, Milch oder „Brot“ kaufen und wir konnten viele Kontakte in der Nachbarschaft sowie in den Projekten knüpfen. 

Was mich in diesen ersten Wochen besonders überrascht hat, ist die Wertschätzung dafür, dass man da ist und seine Zeit mit anderen verbringt. Dies wurde mir bei meinem dritten Besuch im Indaro Jugendhaus richtig bewusst, als ich beim Betreten von mehreren Kindern meinen Namen rufend und mich umarmend begrüßt wurde, obwohl ich ohne jegliche Materialien oder besonderen Fähigkeiten komme. Ganz im Gegenteil eigentlich, ich darf von den Kindern Kinyarwanda lernen oder sie zeigen mir Tanzschritte. 

Ein Unterschied, an den wir uns glaube ich alle erst gewöhnen mussten oder teilweise noch immer müssen ist, die Kommunikativität und Menge an sozialen Interaktionen. Obwohl ich zwar auch in Deutschland viel unterwegs und unter Leuten war, merke ich, dass meine soziale Batterie manchmal erst wieder aufladen muss, wenn ich ab früh morgens im Training bis spät Abends im Jugendhaus unterwegs bin und dauerhaft verschiedene Leute mit mir interagieren wollen. Das ist zwar auf der einen Seite total schön, aber manchmal auch etwas überfordernd. Hier kommt noch dazu, dass man generell, aber besonders in unserem Stadtteil, als weiße Person stark auffällt. Erwachsene möchten sich mit einem austauschen, Kinder möchten die Haare anfassen oder mit uns Hand in Hand von der Schule nach Hause laufen. Ein weiteres Beispiel ist, dass es hier üblich ist, dass man kranke Personen besucht, während ich es aus Deutschland gewohnt bin, dass man sich in sein Bett zurück zieht und versucht, durch Ruhe wieder zu Kräften zu kommen. 

Eine weitere Sache, die mir bei den Moto-Fahrten aufgefallen ist, dass der manchmal chaotisch wirkende Verkehr auf viel Rücksichtnahme basiert. Beispielsweise fährt man häufiger mal auf der Gegenspur oder steht beim Abbiegen auf der „falschen“ Straßenseite. Trotzdem sind uns noch nicht wirklich viele Unfälle aufgefallen, weil man sich gegenseitig ausweicht und auf einander achtet. 

Mein Fazit des ersten Monats ist also, dass die meisten Menschen, mit denen ich in Kontakt war, super herzlich und offen sind, man als weiße Person sehr stark auffällt und dass anders nicht gleich schlechter bedeutet.