Die zweite Woche startete mit dem Abholen von Paulina am Flughafen und einem schon fast traditionellen Besuch bei Macoco. Somit fehlt nur noch einer, damit die Ruanda Crew komplett ist.
Nachdem wir am letzten Seminartag unsere Mentoren kennengelernt und über Erwartungen in den einzelnen Projekten gesprochen haben, wurden wir am Abend in die Kabusunzu WG eingeladen, wo Patrick für beziehungsweise mit uns Ubugali gekocht hat. Das ist auf jeden Fall eines meiner neuen Lieblingsessen.
Am nächsten Morgen, der letzte Samstag im August, fand Umuganda statt. Das ist eine monatliche Tradition, um das Haus oder die Stadt zu verschönern und sauber zu halten. Das bedeutet, dass Läden am Vormittag geschlossen haben, der Verkehr ruht und wir uns um das Ausmisten in unserer WG gekümmert haben. Am Abend ging es noch auf das Diamond Platnumz Konzert, bei dem die Stimmung auch ohne Song-Kenntnisse wirklich gut war.
Am Montag haben wir dann unseren Besuch im Kigali Genocide Memorial nachgeholt. Die Eindrücke dort waren sehr intensiv und emotional. Gezeigt wird der Verlauf des Genozides, der in Ruanda im Jahr 1994 vom 7. April bis Mitte Juli stattfand und innerhalb von 100 Tagen schätzungsweise knapp 1 Million Opfer forderte. Dabei wurden ca. 75% der damals in Ruanda lebenden Tutsi-Minderheit getötet. Aber auch moderate Hutu oder Twa, die sich gegen das Verbrechen stellten wurden getötet. Zusätzlich wird auch die Vorgeschichte, wie es dazu kommen konnte und welche Rolle die früheren Kolonialmächte Deutschland und Belgien spielten, erläutert. Für mich besonders bewegend war der „Childrenˋs room“, in dem Steckbriefe mit Fotos von Kindern gezeigt werden und beschrieben wird, wie sie getötet wurden. Dieser Raum hat mir noch einmal vor Augen geführt, dass dieser Genozid ein systematischer Massenmord war und jedes einzelne Menschenleben bewusst auf meist grausamste Art und Weise ausgelöscht wurde. Des weiteren werden im Memorial auch die Aufarbeitung dieses Verbrechens, der Weg zurück in eine funktionierende Gesellschaft und andere Völkermorde gezeigt. Auch wir als Freiwillige werden gezwungenermaßen mit den Folgen des Genozides konfrontiert. So wurden viele unserer Projekte ursprünglich gegründet, um Waisen- und Straßenkinder, traumatisierten und verarmten Kindern ein Zuhause und eine Aufgabe zu geben. Dies wurde mir auch am nächsten Tag bewusst, als Emil und ich zum ersten Mal das Indaro Jugendzentrum besucht haben, das auch zu unserem Projekt gehört, und wir nach einer kurzen Vorstellungsrunde gefragt wurden, ob wir Eltern haben und mit ihnen aufgewachsen sind. Diese Frage mag zwar im ersten Moment komisch klingen, gehört hier aber einfach zur Lebensrealität dazu.
Nach den vielen Eindrücken, ließen wir den nächsten Tag dann etwas ruhiger angehen und haben das WG Inventar aufgerüstet sowie unseren Kühlschrank mal wieder gefüllt, bevor wir dann noch Beker, einem Local Volunteer und mittlerweile gutem Freund, beim Basketball-Training besucht haben.
Da die Ferien nächste Woche enden, haben Emil und ich zusammen mit unseren Mentoren am Donnerstag die Schulleitung der G.S. Camp Kigali school getroffen, die uns bald unseren Stundenplan zukommen lassen möchte. Leider ist es wohl durch eine nationale Stundenplan-Vorgabe nicht möglich, dass wir vormittags Sportunterricht geben. Deshalb müssen wir nun abwarten, wie wir unsere Stunden aufteilen können, da nachmittags täglich Training oder Indaro für uns auf dem Plan steht. Anschließend ging es eng getaktet weiter, erst ins Gym, dann zum Skaten, zwischendurch eine Kakerlaken-Plage beseitigen, Abendessen in der Kabusunzu WG und noch in eine Rooftop Bar, um einen Freiwilligen bei der Arbeit zu besuchen. Dort wurden wir sogar mit Kuchen und Getränken willkommen geheißen.
Am Freitag stand endlich unsere erste Kinyarwanda Stunde mit Domy an, in der wir super viele neue Wörter und Sätze gelernt haben, die wir jetzt fleißig lernen und wiederholen dürfen.
Diese Woche hat mich spüren lassen, dass ich mittlerweile sowohl in der Gemeinschaft als auch in den Projekten langsam angekommen bin. Es wird zwar noch etwas dauern, bis wirklich eine Routine entstanden ist, aber schon jetzt fühlen sich viele Situationen nicht mehr so fremd an.









